Das 3D Additivisten Manifest

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Morehshin Allahyari & Daniel Rourke, 2015

Ready Made Cthulhu

Den Petrochemikalien entzogen, gekocht aus dem schwarzen Öl von Billionen vergangener Bakterien - der Plastik, welcher im 3D additiven Herstellungsprozess verwendet wird, ist eine Metapher bevor er überhaupt in Formen aufgeschichtet wurde. Sein Potential widerlegt die Komplikationen seiner eigenen Geschichte: Materie ist die Summe und Weiterführung unserer Vorfahren; Kreativität ist brutal, sinnlich, unhöflich, grob, und graumsam.1 Wir verkünden, dass der Welten Pracht durch eine neue Schönheit bereichert wurde: Die Schönheit von Unnötigem, Trödel2 und Schutt. Ein Planet, kristallisiert mit grossen Armen aus Plastik, wie Schlangen mit verpixeltem Atem.3 ... weil eine Revolution, welche sich an Einwegrüstungen bedient, wünschenswerter ist als Edward Snowdens Aktentasche; atemberaubender als die United Nattion Legislative Serie.

Es gibt nichts, was unsere berauschte Rasse lieber sehen würde, als die fruchtbare Verbindung zwischen einem Menschen und einer Analytischen Maschine. Doch ist die Menschheit der vorsinflutliche Prototyp einer viel umfassenderen Schöpfung.4 Die gesamte Menschheit kann als biologisches Medium verstanden werden, wovon die synthetische Technologie nur eine Modalität ist. Gedanke und Leben sind beide gründlich auf den Winden der Information verteilt worden.5 Unsere Macht und Intelligenz gehört nicht nur uns, sondern aller Materie. 6 Unsere Technologien sind die Geschlechtsorgane einer materiellen Spekulation. Jeder Versuch, diese Ereignisse zu verstehen, wird durch unser eigener Anthropomorphismus verhindert.7 Um weiterzufahren, müssen posthumane Maschinen geboren werden, ein groteskes und undarstellbares Repertoire von Wiederverkörperungen hybrider Arten.8

Additivismus wird instrumental sein in der Beschleunigung der Entstehung und der Begegnung mit dem radikal Anderen.9

Additivismus kann uns emanzipieren.

Additivismus wird uns ausrotten

Wir möchten die Möglichkeiten, welche verschlüsselt dem zensurierten, dem unsichtbaren, und dem radikalen Begriff des 3D Druckers eingeschrieben sind ermutigen, stören und rückwärts-konstruieren[!]. Um den Drucker mit den Eigentschaften von Plastik zu segnen: Die Vorstellungskraft innerhalb der Materialität kondensieren.10 Eine Ästhetik der Exaptation11, mit der absonderlichen Schönheit der Wiederholung; bei der Herstellung eines Gitters.12 Hier versöhnen sich Grausamkeit und Kreativität: In der Aneignung aller planetaren Materie um biologische Prototypen zu erschaffen.13 Wir schlagen vor, aus reinstem Thermoplast, aus dem saubersten Photopolymer und dem glänzendsten Sintermetalle, Anarchie, Empörung und Wut zu schmieden. Lasst uns Unordnung aus seiner digitalen Kammer gebären.

Um dieses Durcheinander zu mobilisieren, schlagen wir ein Kollektiv vor: Eines, welches sich nicht nur auf die Regelung bestimmer Objekte kümmert, sondern auf den Wandel, welcher diese Objekte als Instrumente der Revolution und systematischen Zerfall ermöglichen. Genauso wie auch die Druckerpresse, das Radio, der Fotokopierer und das Modem mit unbeabsichtigten Auswirkungen gesättigt waren, versuchen wir das jedem 3D Drucker eingeschriebene Potential auszudrücken. Genauso wie ein Glitch ein Bild wieder unkenntlich machen kann, so kann er auch etwas mehr posthumanistischeres unkenntlich machen: vielfältige Systeme - biologisch, politisch, rechnerisch, materiell.

Wir rufen zur planetaren Pixelization, mit additivistischen Technologien das materielle Unterbewusstsein verderben; Ein Aufruf, welcher für immer weiter gehen wird Kraft dieser ersten Bewegung.14 Wir fordern nicht passive, tote Technologien sondern ein allmähliches Erwachen von Materie, die Entstehung, letzlich, einer neuen Form von Leben.15

Wir fordern:

  1. Die endlose Neubeschreibeung des Additivismus Manifest.
  2. Künstlerische Spekulationen über Materie und ihr digitales Schicksal.
  3. Texte zu:
    1. Die Anthropocene
    2. Die Cthulhucene16
    3. Die Plasticene.17
  4. Entwürfe, Pläne und Anweisungen für den 3D-Druck:
    1. Werkzeuge für Industriespionage
    2. Werkzeuge zur Selbstverteidigung gegen bewaffnete Übergriffe
    3. Werkzeuge zur Tarnung
    4. Werkzeuge um Überwachung zur unterstützen/stören
    5. Werkzeuge um niederzuschleifen/wieder aufzubauen
    6. Objekte zur Förderung von Protesten und Unruhen
    7. Objekte zur Versiegelung und Festnahme
    8. Foltergeräte
    9. Instrumente der Keuschheit und der psychologischen Störung
    10. Sex Maschinen
    11. Temporäre Autonome Dronen
    12. Labortechnik für die Herstellung von:
      1. Drogen
      2. Nahrungsergänzungsmittel
      3. DNS
      4. Photopolymere und thermoplastische Kunststoffe
      5. Stammzellen
      6. Nanopartikel.
  5. Technische Verfahren zur Vervielfältigung und Verbreitung von:
    1. Massengefertige Komponenten
    2. Kunstwerken
    3. Alle patentierten Formen
    4. Der Aura von Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen.
  6. Software für die um Nachrichten in 3D-Objekte einzuschreiben.
  7. Verfahren um die versteckten Nachrichten in 3D-Objekten zu lesen.
  8. Chemische Stoffe um 3D-Objekte aufzulösung oder zu katalysieren.
  9. Hacks/Cracks/Viruse für 3D-Druck Software:
    1. Um DRM zu umgehen
    2. Um Fehler, Glitches und Risse in 3D-Drucke einzuführen.
  10. Verfahren für die Rückgewinnung und Wiederverwertung von Kunststoff:
    1. Gefangen in den Strömen des Ozeans
    2. Schlummernd in Deponien, den Entwicklungsländer oder den Körpern der Kinder.
  11. Den biologischen und synthetischen Dingen jeweils ermöglichen die Prothese des anderen zu werden, einschliesslich:
    1. Verkabelung des Skeletts
    2. Nervensystem Einsätze
    3. Lenticulare Neuralschläuche
    4. Universal-Anschlüsse, Schnittstellen und Öffnungen.
  12. Additivistische und Deletionistische Methoden für Exaption18 androgyner Körper, einschliesslich:
    1. Hauttransplantationen
    2. Geweihe
    3. Einweg-Exoskelete
    4. Interspezies Geschlechtsorgane.
  13. Von Neumann Sonden und andere kosmische Seuchen.
  14. Verfahren zur Bindung von 3D-Drucken und den Maschinen, welche sie in Quantenverschränkung produzierten.
  15. Heilige Gegenstände welche bei Beschwörung und zur Transzendenz verwendet werden, einschliesslich:
    1. Die Geschlechtsteile der Götter und Heiligen
    2. Idole
    3. Altare
    4. Cuauhxicalli
    5. Ektoplasma
    6. Nantag Steine
  16. Die Herstellung weiterer mimetischen Formen, nicht beschränkt auf:
    1. Vorpal Klingen
    2. Squirdles
    3. Energon
    4. Symmetriaden
    5. Asymmetriaden
    6. Kapital
    7. Abfall
    8. Liebe
    9. Alephen
    10. Jene welche von weit her wie Fliegen aussehen.19

Leben existiert nur in der Aktion. Es gibt kein Neues ohne aggressiven Charakter. Wir flehen euch an - Radikale, Revolutionäre, Aktivisten, Additivisten - eure Wut in Texte, Vorlagen, Blaupausen, Glitches, Formen, Algorithmen und Komponenten zu destillieren. Schöpfung muss ein gewaltätiger Angriff auf die Kräfte der Materie sein, damit ihre Form extrudiert und ihr rohes Potential extrahiert werden kann. Den Furchen entronnen, welche die tiefsten Brunnen in die Erde gerissen haben, bettelt uns das Jenseits an es nach seinem Willen zu formen, und wir werden jeden Tropfen als entropischen Aufwand trinken, und wir werden jeden verfluchten Traum durch algorythmischen Überschuss verwirklichen.20 Den nur der Additivismus kann uns dorthin beschleuinigen, wo alle Materie in die Klarheit von Plastik mutiert ist.

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Morehshin Allahyari & Daniel Rourke, 2015

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Bibliographie / Leseliste


  1. William Powell, The Anarchist Cookbook 

  2. Philip K. Dick, Pay for the Printer / Do Androids Dream of Electric Sheep? 

  3. F.T. Marinetti, The Manifesto of Futurism 

  4. Samuel Butler, Darwin Among the Machines 

  5. Evelyn Fox-Keller, Refiguring Life 

  6. John Gray, Straw Dogs 

  7. Stanislaw Lem, Solaris 

  8. Rosi Braidotti, Patterns of Dissonance: A Study of Women and Contemporary Philosophy 

  9. Reza Negarestani, Cyclonopedia: Complicity with Anonymous Materials 

  10. Donna Haraway, A Cyborg Manifesto 

  11. Stephen Jay Gould & Elisabeth S. Vrba, Exaptation: A Missing Term in the Science of Form 

  12. Susan Sontag, The Imagination of Disaster 

  13. Benjamin Bratton, Some Trace Effects of the Post- Anthropocene: On Accelerationist Geopolitical Aesthetics 

  14. Henri Bergson, Creative Evolution 

  15. Anna Greenspan & Suzanne Livingston, Future Mutation: Technology, Shanzai and the Evolution of Species 

  16. Donna Haraway, Anthropocene, Capitalocene, Chthulucene: Staying with the Trouble 

  17. Christina Reed, Dawn of the Plasticene Age 

  18. Svetlana Boym, The Off-Modern Mirror 

  19. Jorge Luis Borges, The Celestial Emporium of Benevolent Knowledge & Michel Foucault, The Order of Things 

  20. Georges Bataille, The Accursed Share